Heimat

Heimat1

Da bin i dahoam!

Heimat: eigentlich können wir uns unter dem Begriff alle etwas vorstellen. Wenn wir ihn allerdings erklären sollen, dann sagt vielleicht doch jeder etwas anderes, und schon gar nicht haben wir dabei die gleichen Gefühle oder Bilder im Kopf.

IMG_3374Hier einmal die Definition, die uns Wikipedia dazu gibt:

Der Begriff Heimat verweist zumeist auf eine Beziehung zwischen Mensch und Raum. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er auf den Ort angewendet, in den ein Mensch hineingeboren wird und in dem die frühesten Sozialisationserlebnisse stattfinden, die zunächst Identität, Charakter, Mentalität, Einstellungen und Weltauffassungen prägen.

Aber ist unsere Frage damit schon beantwortet? Derzeit verlassen so viele Menschen ihr Zuhause, weil sie dort wegen Krieg, Hunger und Bedrohung nicht mehr ruhig leben können, das Thema ist also brisant. Wir wollten es genauer wissen und haben uns umgehört. Allen Befragten haben wir die gleichen drei Fragen gestellt.

 

Was ist für dich Heimat?Heimat3

Alex (20, Deutschland): „Unter Heimat verstehe ich einen Ort, den man in- und auswendig kennt und an dem man sich wohl fühlt und zugehörig, wenn man zu ihm zurückkehrt.“

  • Wenn du sagst, man kehrt zu ihm zurück, dann meinst du ja auch, dass man den Ort irgendwann schon verlassen hat.

„Ja, das stimmt. Es ist nötig, von dort wegzugehen, um seine Heimat zu erkennen.  Leute, die nie wirklich diesen Ort verlassen, wissen zwar schon, dass es ihre Heimat ist, aber sie können ihn dann nicht so wertschätzen wie die, die weggehen.“

Melina (21, Deutschland): „Heimat ist für mich da, wo ich so sein kann, wie ich bin; wo ich ich selbst sein kann und mich nicht verstellen muss, um nicht unangenehm aufzufallen, wo ich mich nicht künstlich anpassen muss.“

Máté (24,Ungarn): „Überall dort, wo ich das „Hier komme ich nach Hause“-Gefühl habe. Hier kann ich ohne Sprach- und bürokratische Barrieren mein Leben in Sicherheit führen. Ich habe bestimmende Gedanken um diesem Ort.”

Stendert (22,Holland): “Heimat ist dort, wo du Leute kennst, die dir wichtig sind. Ein Ort an dem du die Kultur verstehst und wo du dich als Teil der Gesellschaft fühlst.”

Constantin (25,Ungarn):  „Heimat ist für mich nicht mit einem Boden oder Volk verbunden, sondern eher mit einem Ort an dem ich so sein kann wie ich bin.“

Holly (26,USA): “Heimat ist für mich kein spezifischer Ort, aber ein Ort kann ein Teil dessen sein, was ‘Heimat’ meint. Es geht darum, sich irgendwo zugehörig zu fühlen und dazu zu passen. Es ist komisch, das zu beschreiben, aber es ist einfach dort, wo ich nicht das Gefühl habe etwas beweisen zu müssen, wo alles einen Sinn macht.”

Ciara (23, Irisch, aber lebt in Island): “Familie, Freunde und Vertrautheit (z.B. bestimmte Plätze zu haben, an die man am liebsten geht)”

 

Heimat2

Wo ist deine Heimat?

Alex: “In Oberbayern. Eigentlich… in den Bergen… oder am besten gleich auf dem Berg oben. Da wohne ich nicht,  aber dort spüre ich, dass ich da hingehöre. Per Definition würden viele Leute sagen, das Dorf in dem ich aufgewachsen bin ist meine Heimat. Ja, das ist der Ort, an dem ich groß geworden bin, aber dort fühle ich nicht so eine Zugehörigkeit, wie wenn ich zum Beispiel auf dem Hintertuxer Gletscher bin.

  • Erklär uns das doch bitte genauer, warum sind es die Berge?

Snowboarden ist das, was ich am allerliebsten mache, in Verbindung mit der Natur. Deswegen die Berge. Deutschland ist meine Heimat, das würde ich auch sagen. In der Form finde ich den Heimatbegriff schon auch zutreffend.“

 

DSCN4632Melina: „Jeder Ort, an dem ich mich nicht verstellen muss und so bleiben kann wie ich bin, könnte vermutlich irgendwie Heimat für mich werden.“

 

Máté: „Es ist nicht stetig. Bis zum Abi wohnte ich in meinem Geburtsort, aber in den letzten 5 Jahren nur in meiner Unistadt. Heute fühle ich, dass meine Unistadt meine Heimat ist, aber mein Geburtsort ist sehr prägend wegen meiner Kindheit dort. Wenn ich heute wieder da bin, sage ich immer, dass ich jetzt echt zu Hause bin, obwohl sich eigentlich mein ganzes Leben in meiner Unistadt abspielt. Ich glaube es wird sich alles ändern wenn ich meine eigene Familie habe und etwas das wir zusammen aufbauen.“

 

Stendert: “Meine Antwort würde davon abhängen, wo ich gerade bin. Wenn mich Leute im Ausland fragen, dann sage ich immer das Land in dem ich geboren bin. Kulturell gesehen bin ich auch dänisch. Andererseits sehe ich auch Europa als meine “Heimat” an. Denn wenn etwas in einem  europäischen Land passiert, betrifft es mich mehr, als wenn etwas ähnliches in einem außereuropäischen Land passieren würde. Außerdem habe ich zwei Gastfamilien von einem Austausch mit Südafrika. Ich bin immernoch in regem Kontakt mit ihnen, habe dort viele Freunde, und so fühle ich mich auch mit ihrer Kultur verbunden. Also in erster Linie ist es mein Land (verbunden mit Europa) und dann in gewissem Maß das Land in dem ich meinen Autausch verbracht habe. “

 

Holly: “ Ich fühle mich an verschiedenen Orten zu hause. Zum Beispiel in Philadelphia/New Jersey. Dort habe ich viele Freunde und die Gegend ist mir vertraut. Es ist ein bisschen komisch, das zu beschreiben, aber es ist einfach dort, wo ich nicht das Gefühl habe, irgendjemandem etwas beweisen zu müssen. Wo alles irgendwie einen Sinn macht.”

Ciara: “ Es hat etwas Zeit gebraucht, um das für mich herauszufinden. Diesen Sommer war ich meine Familie besuchen, nach drei Jahren Aufenthalt in Island. Am Anfang habe ich mein “Zuhause” in Island vermisst. Ich identifiziere mich mit den dortigen Werten viel mehr als mit irischen, obwohl ich da aufgewachsen bin. Beispielsweise reden und lästern die Leute in Irland sehr viel. Sie sind immer neugierig und wollen Dinge aus deinem privaten Leben wissen, die sie nichts angehen. Hier in Island habe ich die Erfahrung nicht gemacht. Ich fühle mich frei und kann mein Leben einfach nach meinen Vorstellungen leben, ohne dafür verurteilt zu werden. “

 

IMG_4048Kannst du dir vorstellen, aus deiner Heimat auszuwandern?

Alex: „Generell? Ja, unter Umständen schon. Allerdings müssten dafür die richtigen Anreize gegeben sein. Ich kann es mir
jedenfalls schon vorstellen.  Anlässe wären für mich Liebe, Arbeit und Krieg. Wenn ich die Sprache kann, dann wäre es wohl nicht so schwer, dann würde ich auch eine Bewerbung hinschicken.“

 

Melina: „Naja, ich glaube, ich bin nicht gemacht dafür, in Kulturen zu leben, die sich sehr stark von meiner unterscheiden, weil ich mich dort nie richtig entspannen könnte und sehr auf meine Außenwirkung bedacht wäre.“

 

Stendert: “ Ja, höchstwahrscheinlich werde ich das machen. Ich liebe es, neue Leute, Kulturen und Lebensweisen kennen zu lernen, also warum nicht?”

 

Máté: „Im Ausland wäre ich immer ein Ausländer. Ein gutes Gegenbeispiel ist eine ehemalige Mitschülerin von mir, die nach 6 Jahren Aufenthalt in Wien heute einen österreichischen Mann hat. Jetzt nach 1,5 Monaten in Deutschland hätte ich Angst, mein ganzen Leben im Ausland zu verbringen. Wie gesagt glaube ich aber, dass sich das ändern würde wenn meine Familie mitkommt und falls sich das schon einmal erwähnte „Hier komme ich nach Hause“-Gefühl einstellt.“

Heimat4

 

Holly: “Naja, ich habe bereits meine Heimat verlassen und bin nach Oklahoma umgezogen, was auch ein anderes Land sein könnte. Ja, ich würde es machen. So sehr ich meine Heimat und den Nordosten der USA liebe, es gibt so viel mehr in der Welt, was man sehen sollte und ein anderer Ort kann auch “Heimat” werden. Es geht für mich weniger um den Ort an sich (obwohl er Teil des Gefühls sein kann), sondern die Menschen und eine Ahnung von Zugehörigkeit.

Ciara: “In meinem Job muss man bereit sein, oft den Wohnort, und auch das Land zu wechseln. Man muss sehr flexibel sein, was das angeht. Es dauert seine Zeit, aber ich glaube,Zuhause ist dort, wo du es dir einrichtest. “